Ein paar Gedanken zum Netzwerken. Damals, heute, morgen… und warum es dabei wie bei allem auf die passende Einstellung ankommt.

Ich netzwerke gerne. Mittlerweile. Besonders gerne mit neuen Menschen. Sehr spannend. Dabei dachte ich immer, ich bin schüchtern. Ich kann das nicht gut. Pustekuchen! Alles eine Frage der Grundeinstellung. Ja, wenn ich nur netzwerke um etwas zu verkaufen, dann ist das anstrengend. Verkaufsgespräche führen die meisten nicht gern. Ich auch nicht. Dann bin ich angespannt, nicht echt, da hat mein Kopf das Kommando. Aber: wenn ich über etwas sprechen kann, das mich interessiert, für das ich brenne, dann geht es fast von allein. Das ist ein unglaublicher Vorteil, wenn man seinen Job liebt. Und dann fühlt sich netzwerken nicht wie Arbeit an.

Und was soll ich sagen? Wonach Dir ist. Oder du schaust dich erstmal neugierig um.

Bei einer der letzten dieser Netzwerkveranstaltungen (12min.me , sehr zu empfehlen und Werbung ohne Auftrag) kam ich auch ins Gespräch. Und zwar über das Netzwerken an sich. Darüber, dass das Wort netzwerken mittlerweile schon sehr abgenutzt ist. Und überhaupt? Wie hieß das denn früher? Hat man denn damals überhaupt genetzwerkt? Damals…

Netzwerken anno dazumal

Zugegeben: mein Gesprächspartner war ein paar Jahre jünger als ich. Was ja nicht sein Fehler ist. Ich jedenfalls erinnere mich noch an Zeiten, da nannte sich das kontakten. Da ist man zu Stammtischen gegangen, zu Veranstaltungen. Da gab es noch kein Xing, LinkedIn und Co. Da hat man noch seine Visitenkarten ausgetauscht. Und damit waren die Kontakte auch ganz klar in privat und geschäftlich getrennt. Ich klinge älter als ich bin. Ich habe die 40 noch (!) nicht geknackt. Und Visitenkarten habe ich auch erst neun Monate nach Gründung bestellt…

Was mir heute so viel besser gefällt? Wenn ich netzwerke, dann mache ich das nicht, um etwas zu verkaufen. Ich muss nicht privat und geschäftlich trennen. Ich mache das, was ich tue, von Herzen gern. Und genauso gern rede ich drüber. Ich möchte Leute kennen lernen, bin neugierig auf neuen Input, neugierig auf ihre Geschichten. Schön, wenn das auf Gegenseitigkeit beruht und sich mein Gegenüber auch für meine Meinung interessiert. Und manchmal, da schwimmt man auf einer Wellenlänge. Da hat man gleiche Werte, ähnliche Vorlieben. Und dann setzt man sich auch an gemeinsame Projekte. Nicht, weil das der Plan gewesen ist. Sondern weil es sich ergeben hat.

Erfolgsgarantie? Gibt es nicht.

Zum Glück! Denn ganz ehrlich? Netzwerken würde nur halb so viel Spaß machen, wenn ich mir vorher eine Quote setzen würde. „Heute muss ich X Menschen ansprechen und mindestens 3 Visitenkarten nach Hause tragen. Dann war ich erfolgreich!“. Schwachsinn.

Ich versuche echt zu sein. Authentisch. Ich habe meine Meinung, und die sage ich auch sehr gern. Mittlerweile. Als eigene Chefin kann ich mir das erlauben. Früher – als Angestellte – war das eine andere Geschichte. Und wenn es dann mit dem Gegenüber passt, dann passt es richtig. Dann weiß er genau, mit wem er zusammenarbeitet. Oder mit wem er sich auf einen Schnack beim Kaffee trifft.

Worauf ich hinaus will?

Auf etwas, dass ich vor meiner Selbständigkeit so nicht erwartet hätte. Ich war mir sicher, dass ich Kaltaquisen machen muss. Anzeigen schalten, fremde Menschen anrufen und mich verkaufen. Dieser Punkt hat mir im Vorfeld wirklich Bauchschmerzen gemacht weil: weit außerhalb meiner Komfortzone. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ganz anders.

Ein Netzwerk von Frauen hat mich dazu gebracht, mutig zu sein und zu machen. Alle meine Kundinnen und Kunden – ALLE – habe ich über persönliche Empfehlungen, unverbindliche private Gespräche oder netzwerken kennengelernt. Ich habe bisher nicht eine Kaltaquise gemacht, noch keine Anzeige geschaltet. Ich habe anderweitig überzeugt. Auf meine Art und Weise. Und das fühlt sich so gut an. Und richtig.

Ob das so bleibt? Keine Ahnung. Aber solange ich Spaß dabei habe und es sich richtig anfühlt ist es in jedem Fall keine verschwendete Zeit. Denn: was gibt es Spannenderes als andere Menschen und ihre Geschichten und Erfahrungen? Eben. Bereichernd ist es in jedem Fall.

Und wo trifft man sich jetzt?

Das kommt ganz drauf an. Ich weiß: tolle Antwort. Aber genauso sieht es aus.

Auf einem Stoff mit Landkartenmuster markiert eine Nadel mit Herzkopf den Lieblingsplatz.

Was interessiert Dich? Wo lebst Du? Über welches Thema wüßtest Du gerne mehr – auch, wenn es nicht direkt zu Deinem Geschäftsfeld gehört? Halt die Ohren offen. Schau über den Tellerrand. Ich hatte beispielsweise letzte Woche ein unglaublich inspierierendes Gespräch mit einer Verkäuferin in einem kleinen Laden. Ein kurzes Gespräch, ein kleiner Small Talk und es folgten Fragen, Geschichten und der Austausch von Kontaktdaten. Wer hätte das erwartet? Ich nicht, als ich kurz stöbern wollte.

Ein paar planbarere Beispiele? Natürlich alles basierend auf eigene Erfahrung und ohne Werbeauftrage etc. und bei weitem nicht vollständig.

  • Auf der Plattform Meetup kannst du Interessen und Co. angeben. Dazu noch dein Standort und schon werden Dir Gruppen vorgeschlagen, die zu dir passen können. Sei es für digitale Diskussionen oder auch für Treffen im Real Life.
  • Da mich das Thema Gründen, Unternehmertum und Selbständigkeit betrifft und interessiert habe ich Workshops und Treffen beispielsweise von der Gründungsberatung besucht. Hier bei uns im Kölner Westen ist das StartHürth . Von dort bekomme ich auch viele Vorschläge für Veranstaltungen bsw. von der IHK oder auch dem Female innovation hub. Spannend.
  • Oben erwähnte ich schon 12min.me . Für Kreative (und alle neugierigen Menschen auch…) gibt es außerdem noch CreativeMornings. Weltweit in unzähligen Städten. Impulsvorträge zu einem Monatsthema und anschließendes netzwerken. Ich war schon oft da und habe es nie bereut!
  • Podcasts hören – und die Shownotes mal ins Auge fassen. Oder auch Diskussionen zu guten Folgen auf den sozialen Medien folgen. Dort findet man Leute, die das Gleiche gut finden wie du. Und oft ergeben sich spannende Kontakte und Gespräche.

Und? Wohin gehst du um neue Menschen kennenzulernen? Und viel wichtiger: Wo treffen wir uns?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.